Was bedeutet systemische Pädagogik?

Zunächst einmal: Eine andere Haltung einnehmen!
Kinder und Jugendliche als gleichwürdige Gesprächspartner*innen anerkennen, ihnen auf Augenhöhe begegnen und nicht das Ziel zu verfolgen, das Kind bzw. den Jugendlichen ändern zu wollen, sondern bereit sein, sich selbst anders zu verhalten, denn nur darauf haben wir Einfluss.

Hilfreiche Fragen sind zum Beispiel: „Was brauchst du, damit es dir gelingt, z.B. dich an ….. zu beteiligen?“ „Was hast du für eine Idee, wie wir das machen können, damit es uns allen gut damit geht? Was brauchst du dafür?“ Und darüber dann in einen ehrlichen Dialog zu treten, das sehr ernst zu nehmen. Damit zwinge ich mein Gegenüber nicht, sondern erkenne seine Individualität an und biete ihm gleichzeitig die Möglichkeit, Teil der Gemeinschaft zu bleiben.

Unter systemischer Pädagogik verstehe ich eine Vielfalt an Möglichkeiten, anders zu handeln statt mehr desselben. Strafen, Androhen von Konsequenzen, Bestechungsversuche sind das, was jeder versucht, obwohl es nicht funktioniert. Mehr desselben führt auch nicht zum Erfolg.

Eine wesentliche Möglichkeit bietet der Kontextbezug. Wir schauen, welche Funktion erfüllt dieses „herausfordernde“ Verhalten im Kontext? Das kann zum Beispiel die Vermeidung von Unsicherheit sein. Dann muss man nicht mehr das Verhalten ändern, sondern kann den Kontext sicherer gestalten. Kontexte kann man ändern, Menschen nicht.

Wir sehen Ursachen für problematisches Verhalten nicht in Personen, sondern in Beziehungsmustern bzw. in Spielregeln in Systemen, denn diese lassen sich auch ändern.

Wir betrachten uns Pädagog*innen als Teil des Systems und denken uns mit, sowohl bei der Problementstehung als auch bei der Problemlösung.

Wir analysieren keine Probleme und suchen keine Schuldigen. Das ist für alle Beteiligten sehr entlastend. Wir gehen lösungsorientiert vor und fragen z.B. „Was muss passieren, damit das, was passiert ist, nicht wieder passiert?“ – „Wie sehen Lösungen aus?“ statt: „Wie ist es dazu gekommen?“

Wir wissen nicht, was gut für andere ist, geben keine Tipps und Ratschläge, sondern unterstützen andere dabei, Lösungen selbst zu entwickeln, das können auch Kinder schon sehr gut. Und das entlastet auch die Pädagog*innen.

Damit sind wir beim Thema Zutrauen und Vertrauen. Wir vertrauen darauf, dass der/die andere über alle notwendigen Ressourcen verfügt. Unsere Aufgabe besteht darin, diese gemeinsam zu entdecken und nutzbar zu machen.

Eine systemische Haltung erleichtert die Arbeit der Pädagog*innen enorm. Ich kann auf die Lösungskompetenz der Kinder und Jugendlichen vertrauen, die Beziehung verbessert sich deutlich und das wirkt sich positiv auf die Kooperationsbereitschaft aus.